Gastvortrag von Ian James und Martin Crowley „Catherine Malabou. The Future of Hegel“, 25. April 2018

Ian James und Martin Crowley, die an der University of Cambridge als international renommierte Experten im Bereich moderner französischer Philosophie tätig sind, hielten auf Einladung des Fachbereichs Theologische Grundlagenforschung und der Forschungsplattform nicht nur einen Workshop am 24. April 2018 unter dem Titel „Postmoderne Hegellektüre“, der im inspirierenden und gastfreundlichen Ambiente des Stifts Melk mit interessierten TeilnehmerInnen abgehalten wurde, sondern tags darauf am 25. April auch einen Gastvortrag in Wien zum Thema „The Future of Hegel“. Die Grundlage für beide Veranstaltungen bildete das Werk „The Future of Hegel“ der französischen Philosophin und bekannten Derrida-Schülerin Catherine Malabou.

Malabous höchst anspruchsvolles und komplexes Werk behandelt das große Thema der Zeit bzw. Zeitlichkeit bei Hegel und bot somit mehr als genug Anlass für zwei reichhaltige Veranstaltungen. Der Workshop in Melk war einem close reading des dichten Textes von Malabou und einigen philosophisch einschlägigen Impulsreferaten zu bestimmten Passagen gewidmet. Dieser Rahmen gab die ausführliche Gelegenheit, die zentralen Themen im Zusammenhang mit Hegels Auffassung von Zeit, die auch im Gastvortrag vorgestellt wurden, en Detail zu diskutieren, etwa: Was bedeutet Werden bei Hegel? Wie kann man die „Tilgung der Zeit“ bei Hegel verstehen? Wie ist das Verhältnis zwischen Zeit und Subjekt zu denken? Dabei war es in der Diskussion auch stets eine spannende, wenn auch nicht einfache philosophische Herausforderung, Malabous Entwurf im Kontext mit zeitphilosophischen Ansätzen von Heidegger und Derrida zu verorten. Besonders im Gastvortrag wurde die Bedeutung des Konzepts der Plastizität (plasticity) bei Malabou hervorgehoben. Anhand dieses Begriffs eine radikale Offenheit der Zeit zu denken, die nicht rein chronologisch-linear aufgefasst werden kann, ist dabei ein wichtiger Gedanke.

Als leidenschaftliche Experten für französische Philosophie haben sich Ian James und Martin Crowley spontan bereit erklärt, sich am Seminar zu Gilles Deleuze und Michel de Certeau zu beteiligen. Ihre Expertise zu Deleuze, die aus einer sehr langen und auch durchaus persönlichen Beschäftigung mit dessen Philosophie herrührt, war ein reichhaltiger und faszinierender Beitrag zum Seminar.